Diskriminierung. Meine persönliche Erfahrung.

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Ich hätte anfangs nie erwartet, dass eine alleinerziehende Frau so viel Diskriminierung ausgesetzt sein kann. Ich dachte sogar, alleine ein Kind großzuziehen sei heutzutage schon “normal”. Ist man allerdings selbst in dieser Rolle, merkt man erst wie unnormal man eigentlich ist.

Ich selbst bin als Tochter einer alleinerziehenden Mutter aufgewachsen, ich hatte damals nur wenig das Gefühl ausgegrenzt zu werden und wie andere Erwachsene die in Ehen oder Beziehungen lebten, auf meine Mutter reagierten, nahm ich nicht wirklich wahr. Natürlich ist mir klar, dass die Lebensumstände einer Alleinerziehenden schwieriger sind als die, der meisten “normalen” Familien, aber mir war nie bewusst, wie sehr die Gesellschaft uns abwertet.

Um meine Erfahrungen vorzustellen, nehme ich einfach ein paar Beispiele aus meinem eigenen Leben. Vielleicht meinen diese Menschen es auch oft gar nicht böse, aber können sich durch Beiträge wie diesen bewusster über ihr Verhalten werden.

Außenseiter in der Krabbelgruppe

Als meine Tochter ca. 8 Monate alt war, ging ich mit ihr in eine Krabbelgruppe. Ich verstand mich mit den Müttern ganz gut, muss allerdings dazu sagen, dass man es (zumindest dort wo ich lebe) schwer hat, engeren Kontakt zu knüpfen. Keine Ahnung wie es in anderen Gegenden ist. Wie gesagt, verstanden wir uns recht gut, doch eines Tages kam das Thema Beziehung/Männer auf den Tisch und es stellte sich heraus, dass ich alleinerziehend war. Als einzige dieser Frauen. Man schaute mich verdutzt an und ich habe gemerkt, dass ab diesem Zeitpunkt etwas anders war. Man wollte mich meiden. Erst in dieser Situation wurde mir klar, dass Frauen wie ich nicht gerne gesehen sind.

Warum eigentlich? Wo kommt das her? Was bin ich in den Augen der Anderen, nur weil ich keinen Mann habe? Was macht das aus mir? Um ehrlich zu sein, weiß ich das bis zum heutigen Tage immer noch nicht genau. Obwohl es mir endlich auch ziemlich egal ist was andere über mich denken.

Bist du lesbisch?

Eine andere Situation spielte sich in meiner Schule mit einer Mitschülerin ab. Im Sommer 2018 begann ich mein Fachabitur nachzuholen, fast alle reagierten gut auf meine Lebensumstände, obwohl meine Klassenkameraden viel jünger waren als ich. Natürlich kamen auch öfter Fragen auf, aber ich denke das ist normal. Ich wurde so gut es ging akzeptiert und niemand störte sich an mir, bis auf ein Mädchen. Ständig stellte sie mir private Fragen, ob ich das denn alles hinkriegen würde, ob meine Tochter nicht traurig ist in den Kindergarten gehen zu müssen. Besonders beschäftigte sie allerdings mein Beziehungsstatus, über den sie mich mehrfach auszuquetschen versuchte. “Hast du etwa keinen Freund?” “Warum hast du keinen Freund?”

“DU BIST DOCH NICHT ETWA LESBISCH?”

Nein, ich bin nicht lesbisch und selbst wenn, was geht es dich an?


Nichts gegen Beziehungen. Wenn sie gut laufen sind sie etwas Schönes. Doch wieso wird eine Frau nur über ihren Mann definiert? Warum ist es so essentiell wichtig eine Beziehung zu führen? Mal abgesehen davon ein Kind zu haben oder nicht. Selbst als Single ohne Kind ist man ein Exot und die Leute können absolut nicht begreifen, dass es Menschen gibt die bewusst ohne Partner leben möchten.

Ich hätte beispielsweise einfach keine Zeit und möchte gerne meine Zukunft erst einmal selbst bestimmen. Es gibt die verschiedensten Gründe.

Eine Tüte Mitleid

Ich denke, es gibt auch Menschen denen Frauen wie ich wirklich “leid tun”. Das ist vielleicht ganz nett gemeint, aber es nervt. Ich glaube und hoffe, dass die Meisten von uns kein Mitleid wollen, wir wollen kein Mitleid für unsere gescheiterte Partnerschaft, weil wir froh sind, dass sie vorbei ist. Viele von uns leiden nicht einmal wirklich an der Situation. Das Einzige was uns das Leben vermiest sind die Kommentare und komischen Blicke anderer Leute.

Akzeptiert uns doch einfach. Wir sind starke, selbstbewusste Frauen, die das Leben alleine meistern und wir wollen auch als diese behandelt werden. Und bitte fragt uns nicht ständig aus. Wenn wir euch etwas erzählen möchten, tun wir das von ganz allein. Schließlich fragen wir euch auch nicht ob ihr euch zuhause ständig mit eurem Partner in der Wolle habt oder ob es denn auch wirklich “gut” läuft. Wir akzeptieren euer Lebensmodell, dann akzeptiert auch unseres.

Danke.

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